Bin ich von Gott berufen



Welches sind die Zeichen einer authentischen Berufung?

Normalerweise ist der Ruf Gottes etwas Innerliches. In der Tat ist es dieser innere Ruf, welcher das Verlangen hervorruft, das gottgeweihte Leben zu ergreifen und durch welchen Gott Seelen anregt, ihn zu lieben und ihm nachzufolgen. Ein solches Verlangen ist ein wirklicher und authentischer Ruf Gottes, der nicht mit einem rein natürlichen Verlangen gleichgesetzt werden darf, sondern über die Natur hinausgeht und dem man gerade aus diesem Grund ohne Zögern Folge leisten sollte. Die Worte Jesu im Evangelium: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkaufe was du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach.“ (Mt 19, 21)“ gelten für alle Zeiten, ebenso wie die Worte „ jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder… verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19, 29).

So müssen auch heute alle den Rat , welchen Christus dem reichen Jüngling gegeben hat, annehmen, als einen Rat, den Gott selber jedem einzelnen von uns gibt. Darum erklärt uns der hl. Hieronymus: „Nachdem du den Herrn hast sprechen hören: „wenn du vollkommen sein willst, geh, verkaufe was du hast und folge mir nach“ setze diese Lehre in die Tat um und du wirst, nackt dem nackten Kreuze folgend, umso schneller die Jakobsleiter erklimmen“. So kann man sagen, dass alle, die von die von diesen Worten Jesu‘ angetrieben und in gewisser Weise angezogen werden, eine Berufung zum religiösen Leben besitzen.

Diese Worte Jesu sind ein Rat, der von Gott selber kommt und für alle Geschlechter gilt: „Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!“(Mk 13, 37) und „…alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben“(Rm 15,4). Es ist ein Irrtum, zu glauben, diese Versprechen hätten nur zu ihrer Zeit gegolten. Gerade deshalb ist dieser innere Ruf ein wirklicher Ruf Gottes, welchem man unverzüglich antworten muss, wie wenn der Herr persönlich zu uns sprechen würde.

Christus beruft auch heute

Die göttliche Berufung regt den Menschen an, die erhabenen Güter Gottes zu suchen und jene der Welt zu verachten. Der hl. Augustinus sagt: „ diese Schule, in welcher der Vater gehört wird und in welcher er uns die Wege weist, auf welchen wir zum Sohn gelangen, ist den Sinnen des Fleisches sehr fremd. Er bedient sich dabei nicht der leiblichen Ohren, sondern er spricht direkt zum Herzen.“. Er will er damit sagen, dass der Wunsch, das geweihte Leben zu ergreifen, so erhaben und außerordentlich ist, dass er in keiner Weise vom Teufel oder vom Fleische kommen kann.
Gerade diese Sicherheit bezüglich der göttlichen Natur der Berufung hat den hl. Thomas dazu veranlasst, zu schreiben: „Wir müssen der inneren Stimme, mit der der hl. Geist die Seele bewegt, gehorchen, ohne auch nur einen einzigen Augenblick zu zögern und ohne ihr aus irgendeinem Grunde zu widerstehen.“

Man tut gut daran, die Worte des hl. Paulus in Betracht zu ziehen, welcher uns dazu anhält, „dem Geiste zu folgen“ (Gal 5, 25), und so zu Menschen zu werden, die aufgrund übernatürlicher Grundsätze urteilen und die sich nur vom Geiste Jesu` Christi (beziehungsweise vom hl. Geiste) leiten lassen, und daher seinem Ruf unverzüglich Folge leisten.

„Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück“(Is 50,5). Mit diesen Worten lädt uns die hl. Schrift ein, die Stimme Gottes zu hören und seinem Ruf folge zu leisten.